Equal Pay Day – Ziele und Karriere

Frauen, setzt Euch Ziele, plant die Karriere, werdet selbstständig!

Der Equal Pay Day ist ja eines dieser Rituale wie Girl’s Day oder Weltfrauentag, die regelmäßig über uns hereinbrechen: Alle schwingen schöne Reden, doch am Ende bleibt alles beim Gleichen. Doch der Landesfrauenrat Rheinland-Pfalz hat seit Oktober 2014 eine neue Vorsitzende – und die spricht Klartext: “Wir müssen umdenken, und wir brauchen ein anderes Lohnsteuersystem”, sagt Claudia Rankers und fordert bundesweite Equal Pay Berater, um Frauen aufzuklären und zu beraten.

Allein die Tatsache, dass Frauen für dieselbe Arbeit weniger verdienen als Männer, ist ja schon empörend genug: 22 Prozent weniger Lohn erhält eine Frau im Schnitt weniger als ein Mann – warum eigentlich? Arbeiten Frauen eigentlich weniger oder schlechter? Bringen sie weniger Einsatz oder sind weniger qualifiziert?

Nein, sagt Rankers, im Gegenteil: Frauen sind hervorragend ausgebildet, denken langfristiger und in Prozessketten und sind teamfähiger als Männer. “Sie sind viel belastbarer, aber auch leider viel zu duldsam”, sagt die Unternehmerin, die früher selbst im großen Bankengeschäft tätig war. Das müsse sich ändern, und ändern will Rankers das durch Aufklären: “Wir wollen Frauen motivieren zu mehr Selbstverantwortung, zu einer eigenen Berufs- und Lebensplanung, zu eigenem Einkommen und eigenem Vermögen.”

Denn Frauen, sagt Rankers würden viel zu oft für dumm verkauft, und das fange schon mit dem Lohnunterschied selbst an: Laut Statistischem Bundesamt verdienen Frauen im Schnitt 15,83 Euro pro Stunde, Männer hingegen 20,20 Euro. “Wenn man das vom Mann aus rechnet sind das 22 Prozent”, sagt Rankers. Wolle die Frau aber auf den gleichen Stundenlohn kommen, brauche sie 4,37 Euro mehr pro Stunde – das aber sind vom Durchschnittslohn der Frau aus gerechnet 27,6 Prozent.

Dazu ist unsere Arbeitswelt noch immer auf die Bedürfnisse der Männer ausgerichtet: Lange Arbeitszeiten und die vorherrschende Präsenzkultur benachteiligen natürlich diejenigen, die sich auch noch um die Familie kümmern – die Frauen. Belohnt wird in Deutschland, wer möglichst lange möglichst durchgehend gearbeitet hat – Verlierer: die Frauen.

Familienbedingte Fehlzeiten, Schwangerschaft, Pflege, das sind die Gründe, warum Frauen weniger arbeiteten. Dass aber wirke sich am Ende auch auf die Rente aus, die Frau habe “gerechnet über die ganze Zeit eine Rentenlücke von 58 Prozent”, sagt Rankers. Die Folge: Altersarmut, gerade bei Frauen, gerade bei Alleinerziehenden, von denen 90 Prozent – Ihr ahnt es schon – Frauen sind.

Und damit nicht genug: Sobald Frauen in Mutterschutz oder Auszeit seien, “wird Ihnen zugewiesen, dass sie an Kompetenz und Erfahrung verlieren”, sagt Rankers. Die Frauen seien aber “nicht ein bisschen döfer geworden – aber schon das kostet sie 15 Prozent.” Eine Frau Mitte 30 werde von ihren Chefs automatisch aus der Planung für Beförderungen und Ausstieg rausgenommen – sie könnte ja mit Mitte 30 noch schwanger werden. “DerKarriereknick, das ist genau so”, sagtRankers.

Dabei seien Frauen viel beständiger und treuer, kämen nach ihrer Pause in der Regel wieder an den gleichen Einsatzort zurück. “Kunden, Netzwerk, Wissen – das ist ja alles noch da”, sagt Rankers. Männer hingegen seien alle drei Jahre woanders, nur ihre eigene Karriere im Blick und wenig Interesse für den Standort.

Da hören wir Euch Männer da draußen ja schon tief Luft holen – aber es stimmt: Es gibt sie, diese Schicht Führungsmachos, die heute hier Karstadt abwickeln, morgen die Deutsche Bank beglücken und übermorgen schon längst wieder in London oder New York sind. Eine Bindung an das Unternehmen? Fürsorge um die Mitarbeiter? Schnee von gestern, Teil einer anscheinend völlig veralteten Unternehmerkultur, die in Deutschland auf dem Rückzug, man könnte auch sagen: am Aussterben ist. Leider.

Dabei sei nachweislich im Vorteil, wer eine Frau im Vorstand habe, das Unternehmen sei erfolgreicher, habe mehr Kunden, sagt Rankers. “Der Großteil der Entscheider sind aber weiter Männer, deshalb wird sich da auch weiter nichts tun.” Männer befördern Männer, weil Ähnlichkeit Vertrauen schafft, wie eine Studie der Beraterfirma Ernst & Young 2012 herausfand. Frauen stören da eher, sind unbequem und verunsichern, weil sie anders führen. “Es hat nie eine Konsequenz gehabt, wenn Männer nicht führen”, sagt Rankers, “schlechte Führung wird nicht sanktioniert.” Also bleiben die Buddies unter sich – und definieren die Regeln für alle anderen.

Etwa die, dass typische Frauenberufe wie Kindergärtnerin oder eine medizinische Fachangestellte schlechter bezahlt werden als typische Männerberufe wie Techniker, Maurer oder Koch. “Warum bekommt ein Tierpfleger mehr als eine Menschenpflegerin”, fragt Rankers und betont: “Wir können das nicht akzeptieren.”

“Ich sage den Frauen, sie müssen sich Ziele setzen, ihre Karriere planen”, sagt Rankers. Einen eigenen Rentenvertrag abschließen, eigenes Vermögen aufbauen. “Männer können auch krank werden und  erwerbsunfähig – dann muss die Frau ihren Anteil für die Familie oder fürs Haus leisten”, sagt Rankers. Und schließlich werde bei 51 Prozent aller Ehen die Position auf dem Beifahrersitz neu besetzt – landläufig nennt man das Scheidung. Doch das bundesdeutsche Ehegattensplitting setzt im Steuerrecht noch immer den (falschen) Anreiz hin zur Ein-Verdiener-Ehe.

“Wir wollenEqualPay Beraterinnen und Berater bundesweit installieren, um Frauen aufzuklären und zu beraten”, beschreibt Rankers ihr Konzept. Die Berater sollten unabhängig sein und in Unternehmen reingehen, es brauche transparente Bewertungsverfahren in Unternehmen und jährlich bundesweite Veröffentlichungen von Lohneinkünften nach Funktionsgruppen – und ebenso der Einkünfte, die im Alter bleiben.

“Es muss auch ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, wie wenig am Ende bleibt”, sagt Rankers, und das müsse schon in den Schulen beginnen: Rahmenlehrpläne müssten erweitert, den Schülern der Zusammenhang zwischen Schulabschluss, Einkommen, Vermögen und Rente beigebracht werden. “Was sind 2.000 Euro Rente in 25 Jahren wert, wie berechne ich das, was für einen Fahrplan brauche ich dafür”, beschreibt Rankers das Konzept. Und das müsse schon in den Schulen einsetzen, denn an deren Ende seien die Rollenmuster für Mann und Frau schon fast zementiert.

Genau diese Rollenmuster aufbrechen, “Frauenjobs” wertvoller machen, neue Möglichkeiten für Lebensplanungen schaffen – das ist das Ziel. Denn für eine grundlegende Veränderung, sagt Rankers, brauche es zwar schlicht mehr Frauen in Führungsetagen – aber eben auch die Männer. Sie müssen mehr Verantwortung übernehmen, in der Familie, der Firma, der Gesellschaft, sagt Rankers, und sagt den vielleicht wichtigsten Satz: “Wir müssen uns besser zuhören.” Das wiederum ist typisch Frau.

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http://www.mainzund.de/equal-pay-day-landesfrauenrat-fordert-equal-pay-berater/