Weit mehr als nur Geburtshelferin

Von Silvia Dott HEBAMMEN Hohe Haftpflicht für Berufsgruppe beschäftigt Landesfrauenrat


MAINZ - Wie sollen mäßig bezahlte Hebammen „überleben“, wenn sie 6000 Euro im Jahr für ihre Haftpflichtversicherung zahlen müssen? Die Politik solle endlich handeln, damit die Geburtshelferinnen im Schadensfall nicht mit ihrem Privatvermögen haften müssten, forderten am Samstag Hebammen bei einer Podiumsdiskussion des Landesfrauenrats in der Maria-Ward-Schule.

Lösung auf Bundesebene

Staatssekretär David Langner sagte, dass zurzeit viel in der Diskussion sei, aber die Lösung auf Bundesebene gefunden werden müsse. Gesundheitsminister Hermann Gröhe wolle einen Regressverzicht im Kranken- und Pflegebereich einführen, um die Steigerung der Hebammen-Haftpflicht abzufedern. Auch ein steuerfinanzierter Haftungsfonds für Geburtsschäden sei angedacht.

Die Politik hat das Problem jahrzehntelang verschleppt“, kritisierte Gabi Bauer vom Hebammen-Landesverband. Auch Männer müssten begreifen, dass sie betroffen seien. Denn Kinder sicherten schließlich den Fortbestand von Familien. Dem stimmten die Diskussionsteilnehmer zu.

Hebammen seien nicht nur Geburtshelferinnen, sondern leisteten weit mehr: Sie berieten bei Kinderwunsch, bei Schwangerschaftsbeschwerden, übernähmen die Wochenbett-Betreuung und unterstützten die Frauen mental. „Frauen sollen einen liebevollen Start in die Mutterschaft bekommen“, sagte Natalie Gaal, Landessprecherin vom Bund freiberuflicher Hebammen Deutschlands (BfHD). Angesichts der großen Verantwortung sei die Bezahlung für Hebammen zu schlecht. „Kein Mann würde das für dieses Geld machen.“

Christine Benz, seit 34 Jahren Hebamme der Universitätsmedizin, erklärte, sie verdiene in Teilzeit trotz Überstunden, Nachtdienst und Rufbereitschaft rund 1000 Euro im Monat. Der Beruf müsse dringend attraktiver gestaltet werden. Denn schon jetzt sei die Versorgung mit Hebammen angespannt.

Die Ärzte unterstützten die Forderungen der Hebammen und schätzten ihre Arbeit, erklärte Winnie Brunswig, Fachärztin der Universitätsmedizin. Allerdings befürworte sie die Geburt in einer Klinik. „Die Wahlfreiheit muss für die Mütter erhalten bleiben“, entgegnete Gaal. Es werde in Deutschland seitens der Kliniken ein Geschäft mit der Angst betrieben. „Die Schwangerschaft ist ein natürlicher Prozess.“ In Holland würden 60 Prozent aller Kinder zu Hause geboren.

„Mein Beruf ist der schönste der Welt“, sagte eine Hebamme, die seit 56 Jahren im Dienst ist. Dem stimmten die Diskussionsteilnehmerinnen gern zu, allerdings: „Die Warmherzigkeit von Frauen wird im Beruf ausgenutzt.“