Equal Pay Day 2016 - Der lange Weg zu mehr Chancengerechtigkeit

Equal Pay Day 2016 - Der lange Weg zu mehr Chancengerechtigkeit

Lang? Der vor 50 Jahren in den USA ins Leben gerufene und seit 2008 alljährlich auch hierzulande zelebrierte internationale Aktionstag für Entgeltgleichheit hat immerhin dazu geführt, dass der Unterschied zwischen dem durchschnittlichen Stundenlohn von Männern im Vergleich zu Frauen mittlerweile 21,6% beträgt - geht es in diesem Tempo weiter, erreichen wir Entgeltgleichheit in 118 Jahren!

Gerecht? Wenn man bedenkt, dass Frauen die Hauptlast von unbezahlter Familienarbeit tragen und der damit einhergehende Karriereknick, sowie Teilzeit- und Minijobbeschäftigung eine eigene Existenz sichernde Beschäftigung erschweren, kann von Gerechtigkeit bislang keine Rede sein. Der Ausbau der Kinderbetreuungsmöglichkeiten ist ein erster kleiner Schritt in die richtige Richtung, doch das Problem ist wesentlich komplexer:

Typisch weibliche Erwerbsbiographien, die mit ihren Unterbrechungen selten geradlinig verlaufen, werden von Tarifpartnern bei der Gestaltung von Entgeltgruppen selten berücksichtigt. Soft Skills werden geschätzt, aber nicht bewertet oder bezahlt. Die daraus resultierende Rentendifferenz von derzeit 60% erklärt dann, warum Alterarmut meist weiblich ist.

Gleichwertige Arbeit muss gleich bezahlt werden! Diese allseits Zustimmung findende Selbstverständlichkeit ist von der Realität weit entfernt. Betrachtet man in Ausbildung, Qualifikation, Verantwortung, sowie geistiger, körperlicher und seelischer Beanspruchung vergleichbare Berufe z.B. des produzierenden Gewerbes und der sozial-pflegerischen Branche stößt man auf gravierende Entgeltunterschiede. Der allseits beklagte Pflegenotstand oder fehlende männliche Vorbilder in der Pädagogik sind sichtbare Zeichen dafür.

Doch das Ergreifen eines „Männerberufes“ führt keineswegs zu gerechter Bezahlung: Nach Auswertung von 142 wissenschaftlichen Studien werden Frauen in männerdominierten, prestigeträchtigen oder komplexen Berufen bei vergleichbarer Leistung statistisch schlechter bezahlt als ihre männlichen Kollegen. Hier könnte das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz für Abhilfe sorgen - wenn man denn um die Diskriminierung wüsste. Mehr Entgelttransparenz ist hier gefordert. Allein in Branchen mit vielen Frauen im Management konnte weitgehend Entgeltgleichheit festgestellt werden.

Warum bezahlen Arbeitgeber Frauen schlechter als Männer? Weil sie es können! Weil Frauen es sich gefallen lassen, weil sie keine andere Wahl haben, weil sie kurzfristige Vorteile langfristiger Karriereplanung vorziehen, weil das deutsche Lohnsteuerklassensystem falsche Anreize bietet, weil Arbeitsverträge Stillschweigeklauseln bezüglich der Entlohnung enthalten dürfen, weil ...

Der Landesfrauenrat Rheinland-Pfalz e.V. möchte das ändern! Das Bewusstmachen der Lohn- bzw. Gerechtigkeitslücke ist ein erster Schritt zur Verbesserung. Die Haupttreiber der Entgeltlücke - Berufswahl, Erwerbsbiografien von Frauen, sowie die fehlende Anzahl von Frauen in Führungspositionen - werden im Rahmen von Workshops beleuchtet, indem mit vielen relevanten Prozessbeteiligten gemeinsame Lösungskonzepte erarbeitet werden. So stehen am 9. April Teilzeitbeschäftigte und Wiedereinsteigerinnen und ihre Chancen in Unternehmen und Verwaltungen im Focus.

Geschlechtergerechte Teilhabe am Erfolg auf allen Ebenen - volkswirtschaftlich, betrieblich und auch familiär - ist für die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft entscheidend. Gemeinsam bewegen wir das Land!