3. LFR – Bistro

Teilzeit, Wiedereinstieg – Chancen für Unternehmen und Verwaltungen

Frauen am Arbeitsmarkt

"Flexible Arbeitsmodelle schaffen"

In Zeiten steigenden Fachkräftebedarfs rücken Frauen zunehmend in den Fokus von Arbeitgebern. Dabei werden Angebote zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie mehr und mehr zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor.

Wie stehen die Chancen für Frauen, nach der Kinderbetreuung wieder in den Job einzusteigen? Welche Möglichkeiten bieten Minijobs und wie kann man der zunehmenden Altersarmut von Frauen vorbeugen? Mit diesen Fragen beschäftigte sich am heutigen Samstagmorgen der Landesfrauenrat in der Mainzer Arbeitsagentur mit einer Diskussion und anschließenden Workshops.

MDreyer CRankers g


"Altersarmut ist weiblich"

Mit diesem Satz begann Claudia Rankers, Vorsitzende des Landesfrauenrats Rheinland-Pfalz, das Gespräch. Noch immer sorge die Erwerbsbiographie vieler Frauen dafür, dass sie im Alter nicht ausreichend abgesichert seien. Dabei spiele die Berufswahl, bei der viele Mädchen noch immer zu den traditionellen, oft schlecht bezahlten "Frauenberufen" tendierten, eine wichtige Rolle. Im Vergleich zu Männern, seien Frauen seien häufiger unsicher, ob ihre Qualifikation für eine Position ausreiche und fürchteten sich davor, Fehler zu machen.

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"Diese Strukturen müssen schon früh aufgebrochen werden", ergänzte Sabine Birk, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt. Ein weiterer Aspekt sei die Lohnungleichheit. Derzeit verdienten Frauen 22 Prozent weniger als Männer, was auf die Lebenszeit hochgerechnet zu einer Rentenlücke von 60 Prozent führe. Zudem läge der Schwerpunkt von Frauen noch immer auf der Arbeit innerhalb der Familie.

Aufgrund des demographischen Wandels sorge neben der Kindererziehung auch zunehmend die Betreuung pflegebedürftiger Angehöriger dafür, dass Frauen ihre Erwerbstätigkeit unterbrechen oder ganz beenden. Rankers forderte die Frauen auf, ihre Ziele zu definieren, sich innerhalb der Familie zu positionieren und mehr zu fordern. Dabei sehe sie vor allem Politik und Unternehmen in der Verantwortung, bessere Rahmenbedingungen zu schaffen, um Frauen vor Altersarmut zu schützen.

Minijob - Chance oder Falle?

Laut der Bundesagentur für Arbeit übten im vergangenen Jahr 61 706 Menschen in Mainz einen sogenannten Minijob aus. Für 40 479 Erwerbstätige, darunter 25 981 Frauen, sei das die einzige Einnahmequelle. Personen, die anderweitig abgesichert sind, wie beispielsweise Studenten oder Rentner, biete der Minijob eine Möglichkeit zum Nebenverdienst. Für Fachkräfte könne er dagegen häufig zur beruflichen Einbahnstraße werden, da ihnen laut der Wippermann-Studie aus dem Jahr 2012, bereits nach kurzer Zeit im Minijob eine Dequalifizierung drohe.

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Die selbe Studie wies nach, dass die Mehrheit der Frauen, die in einem Minijob arbeiten, statt in sozialversicherungspflichtige Arbeit in die Nichterwerbstätigkeit übergeht. Die geringe Bezahlung mache es zudem schwierig, sich privat abzusichern, sodass Versorgungsprobleme im Alter drohen. Dass die Schaffung sozialversicherungspflichtiger Stellen auch für Arbeitgeber attraktiv sei, zeigte eine Beispielrechnung, die die Kosten zweier Minijobstellen mit denen einer Teilzeitstelle verglich, bei der letzte günstiger ausfielen.

Teilzeit in allen Positionen

"Arbeitgeber müssen sich auf ein Mehr an Flexibilität einlassen" - Strack

Eine Möglichkeit, Frauen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erleichtern, sieht Heike Strack, Chefin der Mainzer Arbeitsagentur, in Teilzeitarbeit. Von den Unternehmen wünscht sie sich verstärkt Arbeitsmodelle wie Home Office, Teilzeitbeschäftigung und flexiblere Arbeitszeiten. "Wenn Arbeitgeber sich auf ein Mehr an Flexibilität einlassen, profitieren sie in der Regel nicht nur dadurch, dass sich mehr gut ausgebildete Frauen für einen Job in ihrem Unternehmen interessieren, sie gewinnen auch motivierte und loyale Mitarbeiterinnen." Auch Selbständigkeit oder Geschäftsgründungen seien in Teilzeit möglich.

Den Wiedereinstieg erleichtern

"Der derzeitige Arbeitsmarkt bietet grundsätzlich gute Chancen, für ausgebildete Frauen, die nach der Familienphase in den Beruf zurückkehren wollen", so Claudia Wellisch, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt. Allerdings sei dafür Unterstützung nötig. Strack forderte von der Politik den Ausbau von Betreuungsmöglichkeiten für Kinder. Gerade an Wochenenden, während der Ferien oder im Krankheitsfall des Kindes, seien die vorhandenen Möglichkeiten noch unzureichend.

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Den Umstand, dass viel in die Ausbildung junger Frauen investiert würde, diese dann aber aufgrund fehlender Betreuungsplätze dennoch zuhause blieben, bezeichnete sie als "volkswirschaftliche Schande." Zwar begrüßte sie die zunehmende Bereitschaft der Männer, sich an Zwar begrüßte sie die zunehmende Bereitschaft der Männer, sich an der Erziehung zu beteiligen und die Elternzeit zu nutzen, allerdings griffen diese Maßnahmen noch zu kurz.

Die "stille Reserve" gewinnen

"Auch mit 55 kann man noch eine Ausbildung machen" - Strack

Strack möchte aber nicht nur junge, hochqualifizierte Frauen ansprechen. "Auch mit 55 kann man noch eine Ausbildung machen." Es gebe vielfältige Angebote, von offenen Veranstaltungen, über Gespräche bis zum persönlichen Coaching, um Frauen die Möglichkeiten von Aus- oder Weiterbildung auch in Teilzeit zu ermöglichen. Damit möchte die Chefin der Arbeitsagentur vor allem diejenigen mobilisieren, die bisher keine oder negative Erfahrungen mit der Agentur für Arbeit gemacht haben.

Die Wanderausstellung "Warum Minijob? Mach mehr draus!" ist noch bis zum 26. April in der Agentur für Arbeit zu besichtigen.